Die Crème de la Crème in der Hauptstadt Europas

Das Festival International de la Danse Orientale in Brüssel unter der Schirmherrschaft von Mahmoud Reda und Prof. Dr. Hassan Khalil, 5. - 7. März 2004

Aus dem kleinen Saarland reisten wir auf Einladung der Veranstalterin Nuriyya hin an. Und aus allen Teilen Europas strömten die 500 Zuschauerinnen und Zuschauer sowie die nahezu 150 Workshopteilnehmerinnen in die Stadt des Europaparlaments, des Atomiums und des Männeken Piss.

Hochinspiriert von den Workshops bei Prof. Dr. Hassan Khalil und Mahmoud Reda, dem ‚Lehrer aller Lehrer’, wie Aladin El Kholy in seiner Hommage treffend formulierte, trafen wir abends etwas gestresst vom Brüsseler Autoverkehr im Centre Culturel de Woluwé St. Pierre ein und konnten dort gleich in die Welt des Orients eintauchen, wo uns ein herrlich dekorierter Basar, anregende Musik und arabische Köstlichkeiten empfingen. Die Show „Couleurs d’Egypte“ bot dem Namen entsprechend ein farbenprächtiges Kaleidoskop unterschiedlichster Darbietungen von Tänzerinnen und Tänzern aus aller Welt.

Begeistert waren wir von Aladin El Kholys Ensemble (Bonn/St. Augustin) sowie Nuriyyas Gruppe ‚Nour el Ain’ (Brüssel), welche Choreographien von Hassan Khalil zeigte. Ersteres überzeugte bereits beim Shamadan-Tanz mit hervorragendem Zimbelspiel, eleganter Armführung und so rasanten Figurenwechseln, dass das Publikum in Zwischen­applaus ausbrach. Mein Favorit war der von drei Frauen des Ensembles getanzte freche peppige Baladi mit seinen neckischen Hüpfern, der von betont langsamen Musikteilen unterbrochen wurde, in denen Hüften und Po voll zum Einsatz kamen. Süß und kokett war das von ‚Nour el Ain’ gezeigte Lied ‚Ana Ahlawitt’ (Ich bin die Allerschönste): mit ausdrucksvollen Gesten und köstlichen Schmink- und Anziehszenen wartet sie sehnsüchtig auf ihn. Oder sollten wir vielleicht doch dem femininen feinen Baladi vom Ensemble Aladin mit Melaya Leff und Stock den Vorzug geben? Wer die Wahl hat,…

Viel Abwechslung boten die Solotänzerinnen. Die exotische Lulua aus Deutschland versetzte das Publikum mit Amr Diabs ‚Africa’ auf den heißen Kontinent. Geschickt, lässig und mit unwiderstehlicher Ausstrahlung tanzte und sang Aladin El Kholy seinen Raqs el Assaya. Absolutes Highlight für meine Schülerinnen war die französische Rajaâ: strahlend und charmant zeigte sie eine hochanspruchsvolle Choreographie von Momo Kadous und bewies absolutes Rhythmusgefühl, höchste Präzision und anmutige Eleganz - und legte dann noch ein sprühendes Trommelsolo nach, von dem der auf den Knien getanzte Shimmy nur einer der temperamentvollen Höhepunkte war. Viel Stimmung und Gelächter erntete der ‚Danse de Cheval’, bei dem eine Stocktänzerin des Ensemble Aladin mit einem sehr drolligen zahmen „Pferd“ bis ins Publikum hineintanzte. Und abermals im Kontrast tanzte die Finnin Tuija Rinne schlicht und introvertiert zu Oum Kalthoums Lied über die Zeit und die Vergänglichkeit. Nach dem beschwingten und witzigen nubischen Stück des Ensemble Aladin erfreute die in Belgien ansässige Gastgeberin Nuriyya ihr Publikum mit einer fröhlichen flotten Choreographie von Hassan Khalil auf das beliebte Stück über die Hennablüte. Im Anschluss an den bezaubernden Krugtanz des Ensembles in weiten Rüschenkleidern betrat der ägyptische Star die Bühne: Liza Laziza, präsenzstark und sexy, tanzte ihren Khaleegy weich und aus dem Bauch heraus mit elegantem Haarwurf und schwingenden Hüften – ein Augenschmaus. Ebenfalls improvisiert war der Baladi von Sabouschka Kahlfeld, die im durchgehenden grünen Kleid die Niederlande vertrat. Nach einem bunten fröhlichen Ghawazee-Gruppentanz brachte Liza Laziza mit dem ägyptischen Song ‚Taht iShubbak’ den Saal erneut zum Kochen. Den krönenden Abschluss bildete die eindrucksvolle Tanoura von Aladin mit seinem gesamten Ensemble, bei der so manche von uns gerne mit in Trance gegangen wäre...

© Irene Ibrahim, Saarbrücken

http://www.ireneibrahim.de

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